CHRISTOPH BANGERT

 

Polygonal und unscharf
Malerei
3. März 2007 / Samstag ab 17 h
Vernissage

Ausstellungsdauer 4.–23. März 2007

 

Auf den ersten Blick denkt man: „alles klar“. Die Bilder, die Christoph Bangert zeigt, sind abstrakt, flächig und überschaubar. Dann wundert man sich als Betrachter doch über die seltsamen Farbkombinationen. Und fragt sich, was zwischen den Flächen passiert. Ist das etwa gemalt? Ja, es ist, und zwar aufs Feinste.

Bangerts Bilder drehen sich um Ecken. Sie sind das Ergebnis eines allmählich fortschreitenden Prozesses, bei dem sie sich immer stärker von ihrer Computer programmierten und zeichnerischen Grundlage lösen. Alle Gemälde basieren auf geometrischen Zeichnungen, deren Netzwerk aus einer einzigen Endloslinie besteht. Jeder Punkt solch eines rechteckigen Kreislaufs (Loop) ist zugleich Anfangs- und Endpunkt. Die bildlichen Kompositionen betonen unterschiedliche Aspekte der Loop: mal das geschlossene System innerhalb des Bildformates, mal die Idee der unendlichen Bewegung. Dementsprechend ruhen manche Bilder stärker in sich selbst, während andere sich unbegrenzt auszudehnen scheinen und den Raum um sie herum neu besetzen.

Die Bilder verwirklichen sich erst durch Malerei, sie entwickeln sich nach und nach in einem nicht zu beschleunigenden Reifeprozess. Schicht auf Schicht erlangen sie formale Schlüssigkeit und Eigenart. Zahlreiche ältere Farbschichten bleiben an den Rändern der zuletzt gemalten Flächen sichtbar. Diese Abfolgen feinster Streifen von Zwischentönen lassen das Bild unscharf erscheinen und erzeugen neben Licht- und Schattenwirkungen auch verblüffende Tiefenillusionen. Indem Bangert jedoch Farben einsetzt, deren Raumwertigkeit im Widerspruch zu herkömmlicher Seherfahrung des Betrachters stehen, werden Form und Grund geschickt gegeneinander ausgespielt, so dass die Illusion der Dreidimensionalität ins Surreale kippt. Durch die Gleichzeitigkeit von Präzision und Unschärfe ist das Bild sowohl hier und jetzt als auch abwesend. Zwischen wirklich und unwirklich schwebend, fragt es nach Möglichkeiten der Existenz immaterieller und, wenn man so will, spiritueller Parallelwelten.

Der irritierende „out-of-focus“-Effekt macht die Bilder zugleich begehrlich und ungreifbar – und sorgt dafür, dass der Betrachter gerne und spontan an der Zuverlässigkeit seiner Augen zweifelt. Das ist in Hinblick auf den permanenten Trug des Alltags schon mal ein Anfang …

http://www.christoph-bangert.de/

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